Interview

Interview mit Greta Gerwig: «Schreiben ist langwierig»

Die Autorin und Regisseurin Greta Gerwig wirft in ihrer ebenso persönlichen, wie originellen Komödie «Lady Bird» einen Blick auf eine ungewöhnlich intensive Mutter-Tochter-Beziehung.

Inwieweit ist «Lady Bird» von Ihrem eigenen Leben beeinflusst?

Greta Gerwig: Ich bin in Sacramento aufgewachsen und liebe die Stadt. Mein erster Impuls, diesen Film zu machen, war daher eine Liebeserklärung an einen Ort, der für mich erst wirklich in den Fokus geriet, nachdem ich ihn verlassen hatte. Denn die Tiefe der eigenen Empfindungen für das Zuhause zu begreifen, ist noch einigermassen schwierig, wenn man 16 Jahre alt und davon überzeugt ist, dass das echte Leben woanders stattfindet. Keines der Ereignisse in «Lady Bird» hat exakt so stattgefunden. Aber dem Film wohnt ein wahrer Kern inne, was Themen wie Zuhause, Kindheit und Aufbruch angeht.

 

Die Geschichte des Films ist rund um Lady Birds letztes High-School-Jahr aufgebaut. Warum bot sich gerade dieser zeitliche Rahmen an?

Greta Gerwig: Wenn man ein Teenager in den USA ist, organisiert man sein Leben um diese akademischen Strukturen herum: Freshman Year, also das erste Jahr an der High School, dann Sophomore Year, Junior Year und schliesslich Senior Year. Mir erschien es sinnvoll, mich auf das letzte Jahr zu konzentrieren, und ich wollte, dass sich die Geschichte über das komplette Schuljahr erstreckt. All die Rituale, die mit diesem Jahr einhergehen. Und diese Kreisförmigkeit, durch die wir dort enden, wo wir angefangen haben. Diese Schullaufbahn ist eine nach oben führende Spirale. Das letzte High-School-Jahr überstrahlt dabei alles – und verschwindet letztlich genauso schnell, wie es gekommen ist.

 

Sie haben über die Jahre schon mehrere Drehbücher als Ko-Autorin verfasst, doch «Lady Bird» ist Ihre erste Regiearbeit. Hatten Sie schon beim Schreiben den Wunsch, den Film selbst zu inszenieren?

Greta Gerwig: Schreiben ist für mich ein sehr langwieriger Prozess. Ich kann nicht einmal genau benennen, wie lange ich für ein Drehbuch brauche. Vermutlich sogar mehrere Jahre, denn das verläuft nie geradlinig. Ich bringe mal hier eine Szene, mal dort eine Figur zu Papier. Deswegen schreibe ich auch immer viel zu viel, Hunderte Seiten Ausschuss. Aber irgendwann reduziere ich das alles natürlich und finde die Essenz des Ganzen. Trotzdem erscheint es während des Schreibens immer undenkbar, dass aus all diesen Seiten mal ein Film wird. Deswegen ist auch der Gedanke ans Regieführen erst einmal vollkommen abwegig. Als ich allerdings irgendwann das fertige Drehbuch in den Händen hielt, war ich mir sicher, dass ich den Film auch selbst inszenieren wollte.